Wichtige Informationen zum Kenntnisnachweis (Drohnenführerschein)

Da leider vermehrt seltsame, teils falsche Informationen rund um die "neue europäische Drohnenregelung" kursieren, möchten wir uns heute mal dazu äußern. Als Prüfungsstätte der AST- 001 (UAV DACH) sind wir nahezu täglich mit Fragen, Kommentaren und teils falschen und irreführenden Angeboten konfrontiert.

Fakt ist, dass es noch eine ganze Menge an unklaren Punkten gibt hinsichtlich DE-Kenntnisnachweise, Umschreibungen auf das EU-Zertifikat, wer prüft was/wann/wie, was ist wie lange gültig, ab wann kann man die Prüfungen nach neuer Regelung ablegen u.v.m..

Wir möchten zu einigen Punkten Hilfestellung geben und möglichst kurz erläutern, was klar ist und was noch nicht. Es werden natürlich noch Punkte offen bleiben, daher verstehen Sie dies bitte als Hinweise und nicht als abschließende Auflistung.

a) Lohnt es sich überhaupt noch, bis Jahresmitte den Kenntnisnachweis abzulegen?

Es gilt grundsätzlich, dass der deutsche Kenntnisnachweis nach §21 LuftVO bis mindestens 31.06.2021 gültig ist. Jede(r) im Besitz eines solchen Kenntnisnachweises kann also UAS bis 30.06.2021 betreiben. All diejenigen, die bisher keinen Kenntnisnachweis haben und auch bis Jahresmitte keinen ablegen möchten, müssen solange warten, bis das EU-Zertifikat erworben werden kann. Dies ist frühestens ab 01.07.2020 möglich. Also kann es aus unserer Sicht durchaus lohnenswert und praktisch sein, bis Ende Juni noch einen Kenntnisnachweis nach aktueller LuftVO bei einer anerkannten Stelle abzulegen.

b) Woraus bestehen die Prüfungen und wann muss die praktische Prüfung abgelegt werden?

Die EU-Zertifikate A1/A3 (Betrieb in der offenen Kategorie) und A2 (Betrieb in der offenen Kategorie) werden ausschließlich auf Basis der theoretischen Prüfungen vergeben. Sie beinhalten keine praktische Prüfung. Während A1/A3 als Online-Test absolviert wird, ist für A2 eine Präsenzprüfung bei einer anerkannten Stelle notwendig. A1/A3 sind Eingangsvoraussetzungen für A2.
Der Online-Test besteht aus 30 Fragen aus den Bereichen Luftrecht, menschliches Leistungsvermögen und Grenzen, Betriebsverfahren, technische und betriebliche Risikominimierung am Boden, allgemeine Kenntnisse zu UAS. Die A2-Prüfung besteht aus 10 Fragen aus den Bereichen Meteorologie, UAS Flugleistung, technische und betriebliche Risikominimierung in der Luft. Lediglich für Genehmigungen in der spezifischen Kategorie werden praktische Fähigkeiten abverlangt. Wie genau, ist uns noch nicht abschließend bekannt. Fest steht wohl, dass bei Genehmigungen nach Standardszenario (STS) 01, eine Eigenerklärung ausreicht. Bei STS02 wird wohl eine Abnahme der praktischen Prüfung durch eine anerkannte Stelle notwendig. In jedem Fall ist für die offene Kategorie keine praktische Prüfung vorgesehen.

c) Super, ich habe einen Kenntnisnachweis... wird der denn irgendwie auf die neuen EU-Zertifikate angerechnet oder sogar darauf umgeschrieben oder habe ich das Geld umsonst ausgegeben?

Die deutschen Kenntnisnachweise können vom 01.07.2020 – 30.6.2021 auf die neuen EU-Zertifikate A1/A3 und A2 umgeschrieben werden. Die Umschreibung erfolgt auf Basis der veröffentlichten „anwendbaren Vorgaben zur Einhaltung“ der EASA (AMC & GM). Dabei handelt es sich ausschließlich ​ um den Umfang der erforderlichen theoretischen Kenntnisse.  Es gibt inhaltliche Unterschiede zwischen dem deutschen KN und der AMC&GM der EU-VO 2019-947, welche auf die Umschreibungsbedingungen Einfluß haben können.
Die Regeln der Umwandlung von KN in EU-Zertifikat sind leider noch nicht bekannt. Dies soll wohl vom Luftfahrtbundesamt (LBA) frühestens Ende dieses Quartal veröffentlicht werden.

Fazit: Es sind noch eine Reihe wichtiger Fragen offen. Diese scheinen aber bei den verantwortlichen Stellen in Arbeit.

n jedem Fall erscheint es sehr sinnvoll, zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Geduld zu haben. All diejenigen, die schon einen KN haben, können sich erst einmal beruhigt zurücklehnen wissend, dass der KN bis Mitte 2021 gültig ist. All diejenigen, die keinen KN haben, einen möchten/brauchen und nicht wissen, ob sie auf das EU-Zertifikat (ab 01.07.2020) warten können oder sollen, bleiben nur 2 Möglichkeiten: KN machen oder abwarten. Das muss jede(r) selbst für sich entscheiden. Auch hinsichtlich möglicher Zusatzkosten, die bei einer Umwandlung und vielleicht notwendiger/angeordneter Nachprüfungen entstehen können. Besteht kein Zeitdruck, kann man auch auf die Verkündigung der Umwandlungsregeln warten und dann entscheiden, ob der derzeitige KN noch Sinn macht oder nicht.

In keinem Fall halten wir es für sinnvoll, sich von unterschiedlichen Kommentaren oder zweifelhaften Angeboten zur Vorbereitung auf den 01.07.2020 verwirren zu lassen und Angebote sehr kritisch zu prüfen und zu hinterfragen.